Kreuzkröte

Epidalea calamita Laurenti, 1768

Natura 2000: Anhang IV
Rote Liste Deutschland: 2 - stark gefährdet
Rote Liste Sachsen-Anhalt: 2 - stark gefährdet

Verbreitungsschwerpunkte in Sachsen-Anhalt

Die Kreuzkröte zählt in Sachsen-Anhalt zu den durchschnittlich verbreiteten Arten. Seit dem Jahr 2001 wurden Nachweise aus 108 MTB erbracht. Die Vorkommen in Sachsen-Anhalt bilden gemeinsam mit den Vorkommen im angrenzenden Elbe-Mulde Tiefland in Brandenburg sowie den Populationen in Sachsen einen geschlossenen Verbreitungsschwerpunkt in Mittelostdeutschland. (GROSSE & SEYRING 2015)

Im Bundesland Sachsen-Anhalt liegen die Verbreitungsschwerpunkte der Art in der Altmark, den großen Flusstälern, im Nördlichen und Östlichen Harzvorland sowie im Zeitzer Buntsandsteinplateau. Insbesondere im Norden des Landes in den Altmarkplatten, dem Drömling, dem Elbtal sowie im Elbe-Havel-Winkel ist die Kreuzkröte fast flächendeckend zu finden. Auch im Hochfläming, im Roßlau-Wittenberger Vorfläming sowie im Fläming-Hügelland existieren viele Vorkommen. Die kollinen oder montanen Höhenstufen des Harzes sind hingegen von Natur aus unbesiedelt. Zudem werden sehr gewässerarme Regionen, wie etwa die Magdeburger Börde, das Köthener und Hallesche Ackerland sowie die Querfurter Platte, gemieden. Darüber hinaus sind waldreiche Gebiete, wie zum Beispiel Teile des Flämings, der Dübener und Mosigkauer Heide oder des Ziegelrodaer Forstes, für die Art ungünstig und daher kaum besiedelt. (GROSSE & SEYRING 2015)

Die Kreuzkröte bevorzugt trocken-warme Landhabitate mit nach Möglichkeit lockerem Substrat, die nur eine spärliche Vegetation aufweisen. Auf die Sukzession ihrer Lebenräume reagiert sie sehr empfindlich. Aus diesen Gründen ist die Kreuzkröte stark von der anthropogenen Nutzung ihrer Lebensräume abhängig und heutzutage auch oft in Tagebaugebieten vorzufinden. So besiedelt sie neu entstehende Lebensräume im Umfeld von Sand- und Kriesgruben, welche zunehmend wichtiger für den langfristigen Erhalt der Art werden. (GROSSE & SEYRING 2015)

Karte: Von der Art besiedelte Messtischblattquadranten Gesamtdatenbestand LAU, Zeitraum 2001-2022, vgl. Detailkarte


Vorkommen in FFH-Gebieten

Die Kreuzkröte ist derzeit nur in 31 (12 %) der insgesamt 265 FFH-Gebiete Sachsen-Anhalts vertreten. Dies lässt sich durch den Umstand erklären, dass nur wenige stark genutzte Habitate in der FFH-Gebietskulisse des Landes vorhanden sind. Mit 25 Vorkommen befinden sich die meisten der besetzten FFH-Gebiete innerhalb der kontinentalen Region im Norden und Osten des Landes: der Altmark (D29), der „Elbtalniederung“ (D09), dem „Fläming“ (D11) sowie dem „Elbe-Mulde-Tiefland“ (D10). Darüber hinaus konnte eine bemerkenswert hohe Fundpunktdichte im FFH-Gebiet „Colbitz-Letzlinger-Heide“ (FFH0235) verzeichnet werden. In einigen ehemals dicht besiedelten FFH-Gebieten, wie „Secantsgraben, Milde und Biese“ (FFH0016) und „Untere Havel und Schollener See“ (FFH0011), sind die Bestände hingegen stark zurückgegangen bzw. keine aktuellen Nachweise mehr dokumentiert. (GROSSE & SEYRING 2015)

Erfassung der Verbreitung

Um das Verbreitungsgebiet der Art in Sachsen-Anhalt sowie dessen mögliche Veränderungen erfassen zu können, werden alle Präsenznachweise (z.B. aus gezielten Kartierungen) gesammelt und auf Basis des 10-km-LAEA-Rasters dargestellt. Als Verbreitungsgebiet gilt dann die gesamte Fläche der „positiven“ 10-km-Raster, d.h. mit mindestens einem aktuellen Präsenznachweis. Die Erfassung der Nachweise erfolgt laufend, die Auswertung zum Ende des jeweiligen Berichtszeitraumes.


FFH-Stichprobenmonitoring

Das FFH-Stichprobenmonitoring der Kreuzkröte richtet sich nach den bundesweit gültigen Methodenstandards in BfN & BLAK (2017). Die Bewertung des Erhaltungszustands einzelner Monitoringgebiete resultiert aus Teilbewertungen der Kriterien „Zustand der Population“, „Habitatqualität“ und „Beeinträchtigungen“.

Innerhalb einer Berichtsperiode (6-Jahreszeitraum) ist der Zustand der Population in zwei Untersuchungsjahren an jeweils drei Begehungsterminen zwischen April und Juli zu erfassen. Die Zählung von Laichschnüren ist die wichtigste Methode zur Abschätzung der Populationsgröße und erfolgt tagsüber, ergänzend werden in Nächten sichtbare Tiere sowie Rufer erfasst.

Die Bewertung der Habitatqualität und Beeinträchtigungen erfolgt je Berichtsperiode unter Berücksichtigung der Bedingungen in beiden Erfassungsjahren (s.o.) einmalig anhand der folgenden Unterkriterien:

Habitatqualität:

  • Anzahl der zum Vorkommen gehörenden Gewässer
  • Ausdehnung der Flachwasserbereiche bzw. Anteil der flachen Gewässer (< 0,3 m Tiefe)
  • Beschattung (Anteil durch Gehölze beschatteter Wasserfläche)
  • Austrocknung der Laichgewässer
  • Bodenqualität des Gewässerumfeldes
  • Offenlandcharakter des Landlebensraumes (100 m-Radius um die Laichgewässer)
  • Entfernung zum nächsten Vorkommen

Beeinträchtigungen

  • Fischbestand und fischereiliche Nutzung
  • Vereinbarkeit des Nutzungsregimes mit der Ökologie der Art
  • Sukzession oder nutzungsbedingter Verlust von Offenlandhabitaten
  • Fahrwege im Lebensraum bzw. an diesen angrenzend (100 m Umkreis)
  • Isolation durch monotone, landwirtschaftliche Flächen oder Bebauung im Umfeld
  • Weitere Beeinträchtigungen

Aktuell (Stand 2024) umfasst die Gebietskulisse des FFH-Monitorings für die Kreuzkröte 12 Monitoringgebiete (=Stichprobenflächen) in _ Landkreisen.



Stichprobenflächen (STPE) für das FFH-Monitoring der Kreuzkröte:

STPE-Nr.NameLandkreisLage im
FFH-Gebiet
Biogeogr. Region