Kleiner Wasserfrosch

Pelophylax lessonae (Camerano, 1882)

Natura 2000: Anhang IV
Rote Liste Deutschland: G - Gefährdung unbekannten Ausmaßes
Rote Liste Sachsen-Anhalt: G - Gefährdung anzunehmen

Verbreitung in Sachsen-Anhalt

Kleiner Wasserfrosch
Foto: Dr. U. Zuppke
Kleiner Wasserfrosch Lebensraum
Foto: F. Meyer

Die Schwierigkeiten bei der Artbestimmung innerhalb der Wasserfroschgruppe und das häufige gemeinsame Vorkommen mit dem Teichfrosch (Rana kl. esculenta) haben dazu geführt, dass der Kleine Wasserfrosch bei den Erfassungen in Sachsen-Anhalt stark unterrepräsentiert ist. Unter allen bis zum Jahr 2000 gesammelten Daten zu Wasserfröschen in Sachsen-Anhalt (n = 3 638) besitzt Rana lessonae nur einen Anteil von 1,6 %, wobei auch unter diesen Daten noch einige Fehlbestimmungen vermutet werden müssen. Es kann zunächst nur davon ausgegangen werden, dass Rana lessonae unter den drei Wasserfroschformen in Sachsen-Anhalt die seltenste ist, eine sehr lückenhafte Verbreitung aufweist und in vielen Vorkommensgebieten nur in geringer Zahl nachgewiesen werden kann (MEYER et al. 2004).

Aktuelle Nachweise stammen u.a. aus dem Unstrut-Triasland, Fläming, Drömling und Tangergebiet sowie vereinzelt aus dem Mittelharz und Nördlichen Harzvorland. Die größten Bestände mit mehr als 100 Tieren wurden aus dem Ziegelrodaer Forst, aus weiteren Gewässern bei Querfurt, aus dem Harz bei Karlsrode sowie aus dem Rosslau-Wittenberger Vorfläming gemeldet. Der Kleine Wasserfrosch besiedelt in Sachsen-Anhalt vornehmlich das Flachland und die Hügelländer, die Höhenverbreitung reicht im Harz bis etwa 450 m üNN.

Trotz des geringen Anteils in den Kartierungsdaten besiedelt die Art eine Vielzahl von Großlandschaften in Sachsen-Anhalt. Folglich liegen Nachweise aus zehn naturräumlichen Haupteinheiten vor. Die größte Fundpunktdichte ist im Naturraum „Thüringer Becken mit Randplatten“ (D18) zu verzeichnen. Höhere Anteile entfallen außerdem auf das „Östliche Harzvorland und Börden“ (D20) und den Fläming. Nur wenige Vorkommen befinden sich innerhalb von FFH-Gebieten (MEYER & SY 2004).

Gegenüber früheren Darstellungen (z.B. BUSCHENDORF 1984, GASSMANN 1984, SCHIEMENZ & GÜNTHER 1994) hat sich die Datenlage zum Kleinen Wasserfrosch in Sachsen-Anhalt zwar deutlich verbessert, es muss aber davon ausgegangen werden, dass auch der gegenwärtige Kenntnisstand nicht das tatsächliche Verbreitungsbild der Art widerspiegelt (MEYER et al. 2004). Mit weiteren Funden kann u.a. im Fläming und Vorfläming, in den Altmarkheiden sowie möglicherweise auch im Harz und seinen Vorländern gerechnet werden. Mehrere zweifelhafte Fundmeldungen aus verschiedenen Landesteilen bedürfen einer genaueren Überprüfung.

Erfassung der Verbreitung

Um das Verbreitungsgebiet der Art in Sachsen-Anhalt sowie dessen mögliche Veränderungen erfassen zu können, werden alle Präsenznachweise (z.B. aus gezielten Kartierungen) gesammelt und auf Basis des 10-km-LAEA-Rasters dargestellt. Als Verbreitungsgebiet gilt dann die gesamte Fläche der „positiven“ 10-km-Raster, d.h. mit mindestens einem aktuellen Präsenznachweis. Die Erfassung der Nachweise erfolgt laufend, die Auswertung zum Ende des jeweiligen Berichtszeitraumes.


FFH-Stichprobenmonitoring

Das FFH-Stichprobenmonitoring des Kleinen Wasserfroschs richtet sich nach den bundesweit gültigen Methodenstandards in BfN & BLAK (2017). Die Bewertung des Erhaltungszustands einzelner Monitoringgebiete resultiert aus Teilbewertungen der Kriterien „Zustand der Population“, „Habitatqualität“ und „Beeinträchtigungen“.

Innerhalb einer Berichtsperiode (6-Jahreszeitraum) ist der Zustand der Population in einem Untersuchungsjahr im Rahmen von jeweils drei Begehungen zwischen Mai und Juni zu erfassen. Die Ermittlung der Populationsgröße erfolgt durch das Zählen rufender Männchen. Darüber hinaus soll visuell nach Laich, Larven oder Jungtieren gesucht werden, um einen Reproduktionsnachweis zu erbringen.

Die Bewertung der Habitatqualität und Beeinträchtigungen erfolgt je Berichtsperiode unter Berücksichtigung der Bedingungen einmalig anhand der folgenden Unterkriterien:

Habitatqualität:

  • Anzahl und Größe der zum Vorkommen gehörenden Gewässer
  • Ausdehnung der Flachwasserbereiche bzw. Anteil der flachen Gewässer (< 0,5 m Tiefe)
  • Beschattung (durch Gehölze beschattete Wasserfläche)
  • Entfernung von Laub- bzw. Mischwald als potenziellem Winterhabitat zum Laichgewässer
  • Beschaffenheit der Offenlandbereiche um die Gewässer in 300 m Umkreis
  • Vorhandensein von feuchten Senken und Kleingewässern (im Offenland oder Wald) als Habitat für die Jungtiere
  • Entfernung zum nächsten Vorkommen

Beeinträchtigungen

  • Schad- oder Nährstoffeinträge
  • Fischbestand und fischereiliche Nutzung
  • Gefährdung durch Einsatz schwerer Maschinen im Landhabitat
  • Fahrwege im Gewässerumfeld (500 m Umkreis)
  • Isolation durch monotone, landwirtschaftliche Flächen oder Bebauung im Umfeld
  • Weitere Beeinträchtigungen
Nr.FFH-GebietName
FFH-Monitoring-Gebiete für den Kleinen Wasserfrosch