Geburtshelferkröte

Alytes obstetricans (Laurenti, 1768)

Natura 2000: Anhang IV
Rote Liste Deutschland: 2 - stark gefährdet
Rote Liste Sachsen-Anhalt: 2 - stark gefährdet

Karte: Von der Art besiedelte Messtischblattquadranten (Gesamtdatenbestand LAU, Zeitraum 2001-2022, Detailkarte)

Die Geburtshelferkröte zeigt eine nahezu ausschließlich kollin-montane Verbreitung. Von den Mittelgebirgen werden der Harz und seine Vorländer besiedelt, während der Kyffhäuser nicht zum Verbreitungsgebiet gehört. Die Art erreicht in Sachsen-Anhalt ihre nordöstliche Verbreitungsgrenze, deren Verlauf seit den Arbeiten von BUSCHENDORF (1984), GASSMANN (1984) und SCHIEMENZ (1979, 1981) weitgehend bekannt ist. Sie verläuft im Wesentlichen entlang der nördlichen und östlichen Mittelgebirgsschwelle und wird nur vereinzelt in tiefere Lagen hinein überschritten. Zwar kommt sie am nördlichen und östlichen Harzrand bis in die hügeligen Bereiche der ackerbaulich genutzten Tiefländer der westlichen Magdeburger Börde vor, weit in die planare Stufe hineinreichende Vorkommen (Tiefland-Vorposten) sind jedoch nicht bekannt (GÜNTHER & SCHEIDT 1996, MEYER & SY 2004, MEYER et al. 2004, SY 2004, UTHLEB et al. 2005). Bei Gorenzen im Unterharz erreicht Alytes obstetricans den östlichsten Punkt, bei Wernigerode den nördlichsten Punkt ihres Areals überhaupt.

In Sachsen-Anhalt liegen Nachweise aus vier naturräumlichen Haupteinheiten vor: D18 (Thüringer Becken mit Randplatten), D20 (Östliches Harzvorland und Börden), D33 (Nördliches Harzvorland) und D37 (Harz). Die Mehrzahl der Vorkommen liegt damit in der kontinentalen Region. Im Nördlichen Harzvorland reicht das Verbreitungsgebiet jedoch mit einigen z.T. individuenstarken Populationen in die atlantische Region hinein.

Hinsichtlich der Verbreitung in Sachsen-Anhalt kann aktuell von einem guten Kenntnisstand ausgegangen werden. Es liegen 68 aktuelle Nachweise für den Zeitraum ab 1990 vor. Bei weiterer intensiver Untersuchung des Harzraumes und seiner Vorländer (z.B. Ostharz oder Südharzer Zechsteingürtel) kann jedoch mit weiteren Funden gerechnet werden. Für sechs gemeldete FFH-Gebiete sind Vorkommen der Geburtshelferkröte bekannt, die meisten liegen jedoch außerhalb der Natura-2000-Gebiete.

Erfassung der Verbreitung

Um das Verbreitungsgebiet der Art in Sachsen-Anhalt sowie dessen mögliche Veränderungen erfassen zu können, werden alle Präsenznachweise (z.B. aus gezielten Kartierungen) gesammelt und auf Basis des 10-km-LAEA-Rasters dargestellt. Als Verbreitungsgebiet gilt dann die gesamte Fläche der „positiven“ 10-km-Raster, d.h. mit mindestens einem aktuellen Präsenznachweis. Die Erfassung der Nachweise erfolgt laufend, die Auswertung zum Ende des jeweiligen Berichtszeitraumes.


FFH-Stichprobenmonitoring

Das FFH-Stichprobenmonitoring der Geburtshelferkröte richtet sich nach den bundesweit gültigen Methodenstandards in BfN & BLAK (2017). Die Bewertung des Erhaltungszustands einzelner Monitoringgebiete resultiert aus Teilbewertungen der Kriterien „Zustand der Population“, „Habitatqualität“ und „Beeinträchtigungen“.

Innerhalb einer Berichtsperiode (6-Jahreszeitraum) ist der Zustand der Population in einem Untersuchungsjahr durch das Verhören rufender Tiere zu erfassen. Hierfür werden vier Begehungen zwischen Ende April und Anfang Juli bei Einbruch der Dunkelheit durchgeführt, wobei ggf. auch eine Rufattrappe verwendet werden kann. Die Abschätzung der Populationsgröße erfolgt durch die Ermittlung des Maximalwerts der bei einer Begehung verhörten Tiere.

Die Bewertung der Habitatqualität und Beeinträchtigungen erfolgt je Berichtsperiode unter Berücksichtigung der Bedingungen im Erfassungsjahr (s.o.) einmalig anhand der folgenden Unterkriterien:

Habitatqualität:

  • Anzahl der zum Vorkommen gehörenden Gewässer
  • Beschattung (Anteil durch Gehölze beschatteter Wasserfläche)
  • Submerse und emerse Vegetation (Uferzonen)
  • Austrocknung der Laichgewässer während der Begehungen im Untersuchungsjahr
  • Durchgängigkeit geeigneter vegetationsarmer Lebensräume (regelmäßig beweidet oder gemäht oder mit Rohböden) zwischen Landhabitat und Gewässer
  • Vorhandensein von Versteckmöglichkeiten (Gestein, Wurzel- und Kleinsäugergänge)/ offenen, grabbaren Boden
  • Entfernung zum nächsten Vorkommen

Beeinträchtigungen

  • Fischbestand und fischereiliche Nutzung
  • Sukzession des Gewässers/Verlandung
  • Verlust von Laichgewässern durch Verfüllung und Nutzungswandel
  • Sukzession oder nutzungsbedingter Verlust von Offenlandhabitaten
  • Verlust von Versteckplätzen
  • Fahrwege im Lebensraum bzw. an diesen angrenzend (100 m Umkreis)
  • Isolation durch monotone, landwirtschaftliche Flächen im Umfeld
  • Weitere Beeinträchtigungen

Nr.Name
ST_AMP_ALYTOBST_01Elbingerode, Schacht 3, Regenbecken
ST_AMP_ALYTOBST_02Quedlinburg, Tongrube Altenburg
ST_AMP_ALYTOBST_03 Warnstedt, Kiesgrube Roßhöhe
ST_AMP_ALYTOBST_04Agnesdorf, Bauerngraben
ST_AMP_ALYTOBST_05Wickerode, Teichanlage
ST_AMP_ALYTOBST_06Badeborn, Kiesgrube
ST_AMP_ALYTOBST_07Gernrode, Neuer Teich
ST_AMP_ALYTOBST_08Friedrichsbrunn, Erichsteich
ST_AMP_ALYTOBST_09Ballenstedt, Dachsteich und Glockenteich
ST_AMP_ALYTOBST_10Gorenzen, Stauteich Hagenbach
ST_AMP_ALYTOBST_11Granitsteinbruch am Birkenkopf
FFH-Monitoring-Gebiete für die Geburtshelferkröte

Tabelle: Übersicht zu den Ergebnissen des FFH-Monitoring-Durchgangs 2017-2018.